Zum Malen

Das Wahrnehmen und Verinnerlichen der Farben und des Lichtes geben mir die Inspirationen. Deshalb male ich nie aus der Vorstellung heraus, sondern aus der Empfindung, die ich im Licht, in den Farben im Jahreslauf und in den Elementen erlebe. Die Farben gestalten sich im Bild zu Durchgängen, Horizonten oder (Seelen-)Landschaften.

Sobald die Horizontschwelle überschritten wird, zeigen sich Landschaften sowohl dem äusseren wie auch dem inneren Blick immer wieder neu. Jede Landschaft hat eine Seele und jede Seele eine Landschaft. Das versuche ich innerlich zu ertasten und nachher in Farben umzusetzen. Ein besonderer Moment zieht mich an: nämlich der Augenblick, an dem das Licht die Finsternis zurückzuschieben beginnt. Ein zauberhaftes Farbenspiel entsteht, der Farbenraum öffnet sich, die Landschaft wird deutlich. Der sichtbare Umkreis weitet sich. Die Kraft des Lichtes nehme ich nicht nur im sich Ausdehnen wahr, sondern auch im Strecken der Gräser und Baumstämme.

Der feierliche Augenblick des durchbrechenden Lichtes berührt mich stets von Neuem zutiefst und inspiriert mich gleichzeitig. Das durchbrechende Licht ist wie Götterfunken, welche ich auch im erkenntnisringenden Prozess erlebe. Ebenfalls erlebe ich das Freiwerden des Lichtes beim Sterben eines Menschen. Dem sich ausbreitenden Licht entströmt Friede. Meine Bilder mögen den Betrachter dort berühren, wo er selber Suchender und auch Schöpfer ist. So wird das Bild lebendig.

Das Schwellenmotiv erlebe ich ebenfalls im Denkprozess. Jede errungene Erkenntnis ist ein Lichterlebnis. Das Licht leuchtet im Menschen, wie es auch im Licht erstrahlt, das uns stets wandelnd und still im Jahreslauf begleitet.